MÜNCHNER KULTUR Samstag, 3. März 2001
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Georg Ringsgwandl

Ein Lieber

Für die erste Hälfte des Abends hatte er sich mit der Perücke vom aktuellen CD-Cover ,,Gache Wurzn" geschmückt. Doch selten hat neues Haarkleid einen Menschen so wenig verändert wie in diesem Fall. Georg Ringsgwandl wäre wohl noch unter Hannibal Lecters Gesichtsmaske eindeutig zu erkennen. Denn er ist, wie man so sagt, ein Gesamtkunstwerk von der Nase bis zur Sohle. Und weil die neuen Songs dort ankommen, woRingsgwandl vor zehn Jahren und mehr schon einmal war, ist der Wiedererkennungseffekt um so deutlicher.

Auch wenn er älter, ruhiger, gelassener, also auch ein bisschen langweiliger geworden ist, so schleicht sich doch in die ausverkaufte Elserhalle (die dummerdings atmosphärekillend bestuhlt war) das alte Ringsgwandl-Gefühl ein. Der Sound der Band lebt aus dem Country-Rock der frühen Siebziger, Bassist Martin ,,Tak" Thalhammer groovt gelassen vor sich hin, Herbert ,,Skip" Thaller am Minischlagzeug ist dezente Präzision, Gitarrist Nick Woodland zitiert unaufgeregt virtuos die großen Sounds früherer Tage, was ihm (auf der CD noch besser) besonders bei ,,Der unscheinbare Verkaufsvertreter" mit Mark Knopfler gelingt - ohnehin einem der schönsten neuen Ringsgwandl-Lieder.

Und an der Rampe agiert der Chef. Zurückhaltend fast, charmant fast, zum Kosen lieb fast. Natürlich erinnern seine Bewegungen noch immer an einen Moriskentänzer mit Durchfall, natürlich zelebriert er zwischendurch gehobenes Nonsens-Geplauder - die etwas grobe, aber medizinisch korrekte Genese des Raucherhustens etwa hat fast literarische Qualität. Und doch wirkt Phänomen Ringsgwandl irgendwie kammermusikalisch geläutert und allgemein kompatibler als der gute alte Gurkenkönig. Er spielte denn auch nur ein Lied aus längst vergangenen Tagen: den Besuch in einem Szenecafé, als allerletzte Zugabe. Und deutete damit an, dass man nicht den Fehler machen sollte, direkt nach der neuen eine alteRingsgwandl-CD aufzulegen. Man könnte nostalgisch werden.

Nur einmal wurde Georg Ringsgwandl kurz zum Berserker von einst - als er einen Zwischenrufer verbal abmurkste: ,,Hosenscheißer" und ,,Wichser" könnte man sich ja noch gefallen lassen, aber ,,Peter-Maffay-Fan" ist dann doch zu viel! Satisfaktion!

KARL FORSTER