taz Hamburg 23.01.99
Geraubter Verstand


                       "Tankstelle der Verdammten": Georg Ringswandls wahrlich
                      "schrottiges Rockmusical" gastiert in der Fabrik

                      Was für Erwartungen kann man an ein Stück haben, das
                      Tankstelle der Verdammten heißt? Was hat man darunter zu
                      verstehen, wenn es in diesem Stück um ein "paar Typen geht,
                      denen es immer irgendwo naß reingeht?" Wie soll man auf ein
                      Musical schimpfen, das als Schrottmusical angekündigt wird?

                      Fragen über Fragen. Das "schrottige Rockmusical" von dem
                      Herzspezialisten aus Garmisch, Dr. med. Georg Ringsgwandl, hat
                      schon ganz anderen den Verstand geraubt, oder wie kommt man
                      sonst zu Überlegungen wie: "Ist Ringsgwandl der erwartete Arzt am
                      Scheideweg des Theaters?" Bei der Fassung, die derzeit in
                      Hamburg zu sehen ist, spielt der Doktor gar nicht mit. Durch die
                      Stadt kursierende Pressefotos von der Münchner Inszenierung
                      haben in diesem Punkt für Verwirrung gesorgt. Die Rolle des
                      Chuck, die Ringsgwandl an den Münchner Kammerspielen gespielt
                      hat, übernimmt in der Neuinszenierung von Till Stief Tom Mega. Er
                      mimt den gescheiterten Gitarristen, der der Mutter die Wohnung
                      unterm Hintern wegzieht, um es sich dort mit seiner Freundin Angie
                      gemütlich zu machen; der bei seinem Kumpel Tino an der
                      Tankstelle rumhängt und Ärger mit dem Chef anfängt; der ihm dann
                      wiederum die Frau ausspannt. Zum Schluß stirbt Chuck an
                      Herzversagen.

                      Tom Mega spielt die Rolle okay, mit ein paar mehr
                      Geschichtausdrücken könnte er allerdings schon aufwarten. So ist
                      es immer: Jacke aus, Jacke an, Unterlippe vor, Unterlippe zurück.
                      Außerdem zeigt er stolz sieben Arten, eine Bierflasche zu öffnen,
                      und macht es noch nicht mal mit den Zähnen. Dagegen wirklich
                      mäßig ist Hans Niklos, der den Tino gibt. So ausdruckslos wie der
                      über die Bühne stolpert, nimmt man ihm nicht ab, daß er mal
                      bessere Zeiten hatte. Ansonsten ist die Besetzung passend, die
                      Musik banal und das Stück - naja, wer's mag, der schaut es sich
                      halt an.

                                                              Britta Peters